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«Kampagnen beim Wachsen zusehen»

Campaign Bootcamp-Weiterbildung in London

Silvie Lang war am 8. Februar 2015 in London an einer Campaign Bootcamp-Weiterbildung in London dabei. Hier ihre Eindrücke und Video-Interviews mit TeilnehmerInnen.

Als ich mich dem Hauptgebäude des «Guardian» in London nähere, beginnt mein Campaignerherz höher zu schlagen. Die nächsten sieben Stunden werde ich mit AbsolventInnen der letzten drei Campaign Bootcamps in Grossbritannien verbringen. Der Weiterbildungstag steht ganz im Zeichen der bevorstehenden Parlamentswahlen: Wie können Themen gesetzt, bevorzugte KandidatInnen unterstützt und die Medienaufmerksamkeit für Kampagnen genutzt werden? Ich bin gespannt, wie diese Fragen in England angegangen werden und stürze mich erstmal ins Getümmel.

Der Raum ist energiegeladen und die Wiedersehensfreude unter den knapp 30 «Bootcamp-Alumni» gross. Was sie wohl über ihre Kampagnenarbeit zu erzählen haben? Ich schnappe mir die Person neben mir und erfahre, dass Wiebke aus Deutschland kommt und das Campaign Bootcamp letzten Herbst in London absolviert hat. Das Intensivtraining kam für sie wie gerufen: Wiebke ist drauf und dran mit einer Kollegin SumOfUs in Deutschland aufzubauen. Dieser Herausforderung stellt sie sich gerne. «Ich habe im Bootcamp ein besseres Kampagnentraining erhalten, als ich mir es je hätte vorstellen können», erzählt sie.

Die Begeisterung ist ihr ins Gesicht geschrieben. Auch die anderen «Bootcampers» strahlen, wenn sie von der intensiven Woche, den neugewonnenen FreundInnen und den vielen wertvollen Kontakten berichten. Das Netzwerk unter CampaignerInnen sei für sie das wertvollste am Bootcamp, meint Colette von ShareAction, einer Bewegung, die sich für verantwortungsvolles Investment einsetzt. «Das Bootcamp-Netzwerk mit all diesen Menschen, die engagiert und leidenschaftlich für ihre Ziele arbeiten, gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein und bestärkt mich darin, weiter für meine Ideale zu kämpfen.»

Auch ich spüre, dass die Teilnehmenden keine zufällig zusammengewürfelte Gruppe sind, sondern eine vibrierende Kampagnencommunity bilden. Im Raum ist enorm viel Tatendrang zu spüren. Kein Wunder: Die bevorstehenden Parlamentswahlen - das Leitthema des Weiterbildungstages - bereiten den CampaignerInnen nördlich wie südlich der Themse schlaflose Nächte. In Kleingruppen tauschen sie sich aus oder holen sich im Plenum Tipps und Tricks von ExpertInnen. Mich beeindruckt, mit welch einfachen Mitteln und wie abwechslungsreich das Organisationsteam des Bootcamp UK den Tag mit Inhalt füllt. Gebannt lauschen wir dem jungen Referenten von YouGov, einer internationalen Institution für Online-Recherchen und -Befragungen. Oder auch den beiden Bootcamperinnen, die von ihren Erfahrungen aus der Politik und von der feministischen Kampagne «No More Page 3» erzählen.

Als ich zum Abschluss einen Teilnehmer frage, was für ihn das Besten am Bootcamp und an diesen Weiterbildungstagen sei, lacht er und zeigt auf den Raum. Recht hat er: Nirgendwo sonst gibt es wohl an diesem Sonntagmorgen eine derart geballte Ladung an Wissen, Erfahrung und Ideen über Campaigning. Man hat wirklich das Gefühl, Kampagnen beim Wachsen zusehen zu können.

Einige Stunden später bin ich wieder in den nass-kalten Strassen von London unterwegs und denke an meinen grossen Koffer, der halbleer in meiner Unterkunft steht. Als ich mich in Zürich von meinen Bootcamp-KollegInnen verabschiedet hatte, hatten alle über meinen überdimensioniertes Gepäck gelacht. Wie viele Wochen ich denn unterwegs sein würde, haben sie mich gefoppt. «Ich brauche Platz für Souvenirs», antwortete ich. Vollgepackt mit wunderbaren Eindrücke, Kontakten und Ideen mache ich mich jetzt auf den Heimweg und freue mich schon, die Mitbringsel mit dem Organisationsteam des Schweizer Bootcamps zu teilen.

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